Immer besser – aber auch immer wirtschaftlicher?

Immer weniger Wärmeverlust, stetig geringerer Energieverbrauch: Die Vorgaben beim Neubau von Häusern werden immer weiter verschärft. Über die gesetzlichen Vorgaben hinaus können Bauherren aber noch viel effizienter bauen. Doch wie viel mehr lohnt sich?

Die energetischen Anforderungen für neue Häuser haben immer höhere Maßstäbe. Seit Jahresbeginn gelten strengere Vorgaben für den jährlichen Primärenergiebedarf und den Dämmstandard von Neubauten. Letzteres muss im Schnitt um 20 Prozent effizienter sein, der Energiebedarf wird um 25 Prozent gesenkt. Das entspricht dem Standard des Effizienzhauses 70, das seit 2009 von der KfW-Bank gefördert wird. Diese neuen Richtlinien für Wohngebäude gibt jetzt die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor.

„Die EnEV hat nachvollzogen, was die Förderung der KfW vorweggenommen hat“, sagt Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena). Die Förderungen für das Effizienzhaus 70 – den gesetzlichen Mindeststandard – hat die Bank bereits eingestellt. Neben den bestehenden Standards Effizienzhaus 55 und 40 wurde das Effizienzhaus 40 Plus neu eingeführt. Bei diesen Gebäuden wird ein großer Teil des Energiebedarfs am oder im Haus erzeugt und gespeichert.

Doch was bedeuten die stetig strengeren Richtlinien? Die Verbraucherzentrale NRW warnt, dass Häuser, die heute nach dem EnEV-Standard gebaut werden, schon kurz nach Fertigstellung bautechnisch überholt sein können. Sie empfiehlt deshalb, nach höheren Effizienzstandards zu bauen. Ein Passivhaus komme mit ungefähr der Hälfte der Energie aus, die die neue EnEV zulässt. „Wer nach den jetzigen Standards baut, macht wirtschaftlich aber nichts falsch“, sagt jedoch Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen. „Ob man mehr macht, ist oft eher eine ideelle Frage – und eine des Geldbeutels.“

»Diese Mehrkosten werden durch die Energieeinsparungen nicht mehr in einem vernünftigen Zeitrahmen hereingeholt.«

Denn nicht immer rentieren sich die Zusatzkosten bei der eingesparten Energie. Ein Effizienzhaus 40, das 40 Prozent des Primärenergiebedarfs des aktuellen EnEV-Standards hat, bringt im Vergleich nicht 60 Prozent Ersparnis. „Das läuft nicht linear“, erläutert Walberg. Ein Viertel bis ein Drittel weniger Energiekosten im Jahr sei in diesem Fall eher realistisch. „Das sollte einem klar sein, ist jedoch kein Grund, nicht trotzdem effizienter zu bauen.“

Doch was ist dran an der Warnung der Verbraucherzentrale: Ist das Haus bautechnisch schnell überholt, wenn man „nur“ nach der EnEV baut? „Die EnEV hat immer einen Standard formuliert, der noch Luft nach oben ließ“, erklärt Alexander Lyssoudis von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Die EnEV beschreibe die Grenze zum oberen Drittel von dem, was tatsächlich möglich ist. Auch er empfiehlt, über die Vorgaben der EnEV hinauszugehen, wenn es finanziell möglich ist.

Ob die Vorschriften in Zukunft noch strenger werden, ist schwierig vorherzusagen. Auf dem Weg zum europäischen Niedrigstenergiestandard, der 2021 gelten soll, ist das nicht auszuschließen. Andererseits seien konkrete Anforderungen der Europäischen Union noch nicht bekannt, sagt Lyssoudis. Ob die Standards noch einmal schärfer werden, hängt auch von den Produkten ab. Wenn effiziente Baustoffe durch Nachfrage erschwinglicher werden oder neue Innovationen auf den Markt kommen, kann das für ein Anziehen der Richtlinien sorgen.

Die Vorgaben zu Dämmung, Effizienz der Anlagen und dergleichen stoßen aber aktuell an wirtschaftliche Grenzen, erläutert Walberg. „Diese Mehrkosten werden durch die Energieeinsparungen nicht mehr in einem vernünftigen Zeitrahmen hereingeholt.“ Mit jener Logik komme man nicht mehr weiter, sagt er bezogen auf mögliche Verschärfungen der Standards in der nahen Zukunft. „Der Wärmeschutz stößt momentan an physikalische Grenzen“, sagt hierzu Lyssoudis. Andererseits geben neue Standards häufig neuen Entwicklungen einen besonderen Kick.

Der neue KfW-Höchststandard 40 Plus geht in Richtung Plusenergiehaus. In der Regel sorgt dort eine Photovoltaik-Anlage für die Stromgewinnung, ganz selten sind es laut Walberg Windräder oder Biogas-Anlagen. In der höchsten Förderkategorie können 15 Prozent der Baukosten mittels eines Tilgungszuschusses finanziert werden.